Neuromotorische Entwicklungsförderung
INPP® - Birgit Pulz


Neuromotorische Entwicklungsförderung für Erwachsene

Aus Kindern mit Restreaktionen frühkindlicher Reflexe werden im Laufe der Jahre Erwachsene. Gerade in anspruchsvollen Lebensphasen, z.B. wenn man Kinder großzieht oder berufliche Herausforderungen anstehen, können diese Reflexreste die Aufgabenbewältigung erschweren.

Insbesondere der Moro-Reflex, wenn er frühkindlich zu schwach ausgeprägt war oder zu stark weiter besteht, kann mit seinen Auswirkungen auf emotionaler Ebene eine große Belastung darstellen. Er verstärkt das subjektive Stresserleben, vermindert die Belastbarkeit und verschlechtert die Entspannungsfähigkeiten. Haben Impulsivität, Ängste, Hypersensibilität oder ein Burn-out eine Problematik des Moro-Reflexes im Hintergrund, sind sie durch psychotherapeutische Maßnahmen schwer nachhaltig zu verbessern. Auch das Erlernen von Entspannungstechniken fällt vielen Betroffenen besonders schwer, da sie reflexhaft auf jeden kleinen Reiz reagieren.

Ebenso wie neurodiverse Kinder können Erwachsene mit AD(H)S, Hochbegabung oder im Autismus-Spektrum von der neuromotorischen Entwicklungsförderung profitieren.

Körperliche Anzeichen für neuromotorische Schwächen können Gleichgewichtsprobleme, Schwindel, Reiseübelkeit, chronische Verspannungen, Ticks oder visuelle Instabilität ("Augen springen", Schwierigkeiten beim Fixieren oder Lesen) sein. Durch den anhaltenen Stress können sich Autoimmunkrankheiten, Bluthochdruck, chronische Schmerzen oder Schlafstörungen verschlechten.

Zum Glück ist auch das Gehirn eines Erwachsenen flexibel, es kann dazulernen und sich nachhaltig verändern (Neuroplastizität). Deshalb können auch Erwachsene von den Übungen zur neuromotorischen Ausreifung profitieren. Durchschnittlich müssen sie für die Erfolge mehr Zeit einplanen als Kinder. Ich finde es faszinierend, wie Erwachsene mit den Übungen ihre „alt eingefleischten Muster“ noch einmal in Bewegung bekommen.