Neuromotorische Entwicklungsförderung
INPP® - Birgit Pulz
„Oskars Entwicklung verläuft einfach nie gradlinig,
irgendwie ist da immer Sand im Getriebe und knirscht,
sind die Probleme immer größer als bei seinen Geschwistern,
sind unsere Erziehungs- und Unterstützungsstrategien erfolgloser.“
So beschrieb ein Vater seinen Sohn, der sehr von der neuromotorischen Entwicklungsförderung INPP® profitierte.
Für wen ist die Neuromotorische Entwicklungsförderung geeignet?
Diese Therapie ist für Kinder und Jugendliche geeignet, bei denen frühkindliche Reflexe noch nicht vollständig von reiferen willkürlichen Bewegungsmustern überlagert sind und die dadurch Probleme aus den folgenden Bereichen haben.- Grobmotorik
- Feinmotorik
- Gleichgewicht
- Lateralitätsentwicklung (nicht festgelegte Händigkeit)
- Lernen (Konzentration, Organisations- und Merkfähigkeit etc.)
- Verhalten und emotionale Reife
Die Übungen der neuromotorischen Entwicklungsförderung eignen sich für Kinder und Jugendliche ab ca. 5 Jahren. Bei jüngeren Kindern kann ich unter Umständen kreative einfachere Übungen mit Erfolg anwenden. Da Klein- und Vorschulkinder in ihrem Entwicklungspotential noch so stark und flexibel sind, reicht meist die klassisch homöopathische Behandlung aus, um Entwicklungssprünge auszulösen und Schulproblemen vorzubeugen.
Im Folgendem finden Sie häufige Hinweise aus Lebensgeschichten und Problemen von Kindern, deren frühkindliche Reflexe persistieren (andauern). Ob ihr Kind tatsächlich auch dazu gehört und somit die Therapie für ihr Kind nützlich sein kann, lässt sich letztlich erst in der ausführlichen Diagnostik absichern.
Häufige Auffälligkeiten in Schwangerschaft und Babyalter
- Schwangerschaftskomplikationen, extremer Stress, Frühgeburt
- Geburtskomplikationen (z.B. Beckenendlage, Kaiserschnittentbindung, Sturzgeburt)
- intensivmedizinische Betreuung, schwere Erkrankungen im Säuglingsalter
- Unruhe, Schlafprobleme, häufiges Schreien, „anspruchsvolles Baby" oder auffällig ruhiges, bewegungsarmes Baby, KISS
- Muskulärer Hypertonus (stark angespannt) oder Hypotonus (schlaffe Muskeln)
- Verspätete motorische Entwicklung, Auslassen des Krabbelns oder ungewöhnliche Fortbewegungsmuster bei Babys wie Porutschen, Rollen, Häschenhüpf
- notwendige physiotherapeutische Behandlung
Im Kindergartenalter
haben Kinder und Eltern oft eine Zeit der Ruhe, da sich die Kinder stabilisiert haben und die
Anforderungen an das Kind nicht so hoch und vereinheitlicht sind wie in der Schule.
Hinweise auf frühkindliche Reflexe aus dieser Zeit sind:
- Roller- oder Fahrradfahren und An- und Auskleiden fällt schwer, selbst Anschaukeln klappt nicht, Ungeschicklichkeit beim Treppensteigen, Klettern, Werfen, Fangen, Essen etc.
- Feinmotorische Ungeschicklichkeit oder Verweigerung dieser Aktivitäten (Malen, Schneiden, Basteln)
- schlechtes Gleichgewicht, ausgeprägte Reiseübelkeit
- schlechte Haltung, kontinuierliches Sitzen im Zwischenfersensitz
- Allergien, Infektanfälligkeit
- ausgeprägte Ängste, nicht altersgemäße Trotz- und Wutanfälle, schwer zu führen, festhalten an ungünstigen Verhaltensmustern
- bleibt nicht lange bei einem Spiel, kann nicht allein spielen, schlechte Planungsfähigkeit
- eine Ergotherapie wird empfohlen
In der Schule
wird oft offensichtlich, dass sich die Probleme nicht „ausgewachsen" haben und mit steigenden
Anforderungen kommt es, je nachdem welcher der Reflexe dominiert, zu mehreren der folgenden
belastenden Auffälligkeiten:
- Schlechte oder ungewöhnliche Sitzhaltung, nicht festgelegte Händigkeit, verkrampfte Stifthaltung, Zeilen können beim Schreiben nicht eingehalten werden, schwer leserliche Schrift
- vertauschen von Ziffern/ Buchstaben innerhalb einer Zahl/ eines Wortes, Probleme beim Abschreiben von der Tafel, Lesen und Schreiben können nicht automatisiert werden
- Konzentrationsschwierigkeiten, „Zappeln" oder schnelles Ermüden
- Abneigung gegen sportliche Aktivitäten, Ungeschicklichkeit
- schlechte Organisationsfähigkeit, Orientierung und Zeitmanagment (verliert viele Sachen, Reihenfolgen und Arbeitsanweisungen abarbeiten fällt schwer, vertauscht Buchstabenrichtungen, trödelt.....)
- Verhaltensauffälligkeiten bleiben oder prägen sich aus (Ängste oder Aggressionen, impulsives Verhalten, spielen des Klassenclowns, Verweigerung, Verzweiflung etc.)
- Schwierigkeiten mit der Lautverarbeitung und der Auge-Handkoordination
- Bei sehr vielen Kindern mit AD(H)S, im Autismus-Spektrum, mit Lese–Rechtschreib-Schwäche, Dyskalkulie, anderen Lernproblemen trotz guter Intelligenz sind persistierende (also bleibende) frühkindliche Reflexe wesentliche Verstärker der Probleme.
Enttäuschungen trotz täglichen Übens
Das Zusammenleben mit den betroffenen Kindern wird von den Eltern häufig als anstrengend oder sogar überfordernd erlebt.
Eltern und Kinder bekommen trotz vieler Mühen oft ein negatives Feedback von ihrer Umwelt.
Enttäuschend ist auch, dass mit viel Aufwand durchgeführte Erziehungsänderungen,
Therapien und Fördermaßnahmen (Ergo-, Physio- oder Psychotherapie, Nachhilfeunterricht,
tägliches Üben des Schulstoffes etc.) nicht den erwarteten Erfolg zeigen.
Sie trainieren überwiegend höher geordnete Fähigkeiten auf der kognitiven und der Kleinhirnebene.
Die Probleme können damit besser kompensiert werden.
Aber die Einflüsse der Reflexe, die auf der entwicklungsgeschichtlich viel grundlegenderen Ebene des Hirnstammes funktionieren,
werden dadurch nicht verändert. Es ist, als würde man den Bau eines Hauses mit dem Dach und nicht mit dem Fundament beginnen.
Parallel oder im Anschluss zu einer erfolgreichen neuromotorischen Entwicklungsförderung greifen diese Maßnahmen dann viel besser.